Book: Robert Schumann. Dann löst sich des Liedes Zauberbann
(Then shall the songs’ magic spell be broken)

Book Naeher Schumann

Author: Sabine Näher
Publisher: E. Reinhold
ISBN : 978-3-930550-68-5
Publication date: 25 August 2010

Interpreten im Gespräch über Robert Schumann und die wunderbare Welt des Liedes – Interpreters in interview about Robert Schumann and the wonderful world of  Lied
Juliane Banse, Olaf Bär, Ian Bostridge, Helmut Deutsch, Helen & Klaus Donath, Julius Drake, Christoph Eschenbach, Brigitte Fassbaender, Christoph Genz & Cornelia Herrmann, Stephan Genz, Christian Gerhaher, Matthias Görne, Robert Holl, Gerold Huber, Graham Johnson, Angelika Kirchschlager, Julia Kleiter, Edith Mathis, Christoph Prégardien, Thomas Quasthoff, Wolfram Rieger, Gotthold Schwarz und Ruth Ziesak

Zum Schumann-Gedenkjahr 2010 wurden die Stimmen der wichtigsten Interpreten von Robert Schumanns bedeutendem Liedschaffen zusammengetragen. Sie äußern ihre Gedanken zu Schumanns Liedkomposition aus ihrer jeweiligen, individuellen Sicht und legen dar, warum sie persönlich immer wieder Schumann-Lieder in ihre Konzertprogramme aufnehmen. Aus der Vielzahl der Meinungen renommierter Sänger und Pianisten unserer Zeit entsteht damit nicht nur das vielfarbige Bild Schumanns als Liedkomponist, sondern auch eine Abbildung der Kunst des Liedgesanges am Beginn des 21. Jahrhunderts überhaupt. Die Autorin Sabine Näher übernimmt hierbei das Konzept ihres 1996 erschienenen, beim Publikum wie in Fachkreisen hochgeschätzten Bandes „Das Schubert-Lied und seine Interpreten“.

What the critics say

Reinhold Lindner, Freie Presse, 24 August 2010

In des Liedes Zauberbann

Weltstars im Gespräch über Robert Schumann: Ein besonderes Buch ehrt den Komponisten

Chemnitz/Zwickau. Die Lieder Robert Schumanns gehören zum Besten der Musik – und doch sind in der Vielzahl von Konzerten zum aktuellen Schumann-Jahr gerade Liedprogramme recht knapp. Es mag daran liegen, dass sich die Meister des Liedes rar machen, weil die Ansprüche des Schumannliedes sehr hoch liegen und immer zwei sehr gute Interpreten zusammen harmonieren müssen, die Sängerin oder der Sänger sowie der Pianist.

25 von ihnen, vielleicht die besten der Gegenwart, äußern sich dazu in einem Buch, das im Altenburger Verlag Klaus-Jürgen Kamprad anlässlich des 200. Geburtstages des Komponisten erschienen ist. Sabine Näher hat sie ausführlich zur wunderbaren Welt des Liedes befragt, und diese Welt öffnet sich dem Leser zunächst auch ohne dem Wichtigsten – dem Hören der Musik. Wer aber Aufnahmen hat, noch dazu von diesem oder jenem der Gesprächspartner, wird mit neuen Anregungen dem Schumannlied lauschen.

Die Sänger und Pianisten sind sich in vielem nicht einig, so differenziert wie ihre Interpretationen sind ihre Auffassungen, das ist höchst spannend zu lesen und unterrichtend zugleich. Aber einig sind sie sich jedenfalls, dass Schumann den Höhepunkt der Liedkomposition erreichte. Und das vor allem mit der Verschmelzung der Gesangs- und der Klavierstimme. Das Ehe- und Künstlerpaar Helen und Klaus Donath ist prädestiniert für das Urteil, das der Pianist so formuliert: es ist ein Lied-Duo. Zumindest von Schumann an gibt es keinen Liedbegleiter mehr. Helmut Deutsch, der zwar den Begriff “Liedpianist” ablehnt, sagt andererseits, man habe bei Schumann oft den Eindruck, dass das Klavier letztlich das Entscheidende zu sagen hat. Julius Drake meint lapidar dazu: Klavierwerke mit Gesang. Er hat zugunsten Schumanns eine einfache Erklärung. “Man spürt sehr deutlich, dass er Pianist war und dass das Klavier ihm die Möglichkeit gibt, sich am besten auszudrücken”. Robert Holl denkt aus der Sicht des Sängers, dass der Pianist den Text gemeinsam mit dem Sänger gestalte, gerade bei Schumann mit seinen Vor-, Zwischen-und Nachspielen bringe das Klavier den Text auf seine Weise zum Ausdruck. Der Pianist müsse Poesie malen können, behauptet die Sopranistin Edith Mathis.

Das Sächsische, das Heimatliche auch Schumanns, des Zwickauers, wird hier in den Interviews bei aller Weltläufigkeit des Themas und der Sicht der Interpreten fast zwangsläufig erörtert. Schon deshalb, weil mit Olaf Bär, Gotthold Schwarz und Matthias Görne drei exzellente Schumannsänger, die in Sachsen ihre Wurzeln haben, in dieser Phalanx vertreten sind. Matthias Görne, in Karl-Marx-Stadt aufgewachsen, heute ein wahrer Weltstar auf den Konzert- und Opernbühnen, denkt, dass es im mitteldeutschen Raum “eine Mentaltät gibt, die seit jeher ein besonderes sängerisches beziehungsweise überhaupt musikalisches Potential aufweist”, eine besondere natürliche Art der Musikalität. Görne ist in dem Buch umstritten, das ist eine ganz interessante Reflektion von einem Interpreten zum anderen. Und zwar deshalb, weil er es für selbstverständlich hält, auch den Schumannschen Zyklus “Frauenliebe und Leben” nach Texten von Adalbert Chamisso zu singen, was mehrere seiner Sängerkollegen für widersinnig halten, Thomas Quasthoff sogar ziemlich scharf ablehnt. Görne indes findet die Unterteilung in “Frauen- und Männerlieder” vollkommen absurd. Den Text zu “Frauenliebe und Leben” hat ein männlicher Dichter geschrieben, die Musik dazu ein männlicher Komponist. “Weshalb sollte es ein männlicher Interpret also nicht singen?” entgegnet Görne. Das Buch ist so lehrreich wie unterhaltsam. Es ehrt Schumann unter einem besonderen Aspekt, einem der wichtigsten seines Schaffens – dem Lied.

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