Laeiszhalle, Hamburg
31 October 2009
Dorothea Röschmann (soprano)
Angelika Kirchschlager (mezzo)
Ian Bostridge (tenor)
Thomas Quasthoff (baritone)
Helmut Deutsch (piano)
Julius Drake (piano)
Robert Schumann: Duets, trios and quartets
Spanisches Liederspiel:
Erste Begegnung op. 74/1 (DR, AK)
Intermezzo op. 74/2 (IB, TQ)
Liebesgram op. 74/3 (DR, AK)
In der Nacht op. 74/4
Es ist verraten op. 74/5
Melancholie op. 74/6
Geständnis op. 74/7
Botschaft op. 74/8
Ich bin geliebt op. 74/9
Minnespiel:
Meine Töne still und heiter op. 101/1
Liebster, deine Worte stehlen op. 101/2
Ich bin dein Baum op. 101/3
Mein schöner Stern op. 101/4
Schön ist das Fest des Lenzes op. 101/5
O Freund, mein Schirm, mein Schutz op. 101/6
Die tausend Grüße op. 101/7
So wahr die Sonne scheinet op. 101/8
Interval
Spanische Liebeslieder:
Vorspiel op. 138/1
Tief im Herzen trag ich Pein op. 138/2
O wie lieblich ist das Mädchen op. 138/3
Bedeckt mich mit Blumen op. 138/4
Flutenreicher Ebro op. 138/5
Intermezzo – Nationaltanz op. 138/6
Weh, wie zornig ist das Mädchen op. 138/7
Hoch, hoch sind die Berge op. 138/8
Blaue Augen hat das Mädchen op. 138/9
Dunkler Lichtglanz, blinder Blick op. 138/10
What the critics say:
Hamburger Abendblatt
So klingt die Welt durch die Butzenscheibe
Es gibt Sänger, bei denen ist es (fast) egal, was sie singen. Thomas Quasthoff und seine drei Mitstreiter, Dorothea Röschmann, Angelika Kirchschlager, Ian Bostridge, spielen in dieser Liga.
Hamburg. Mit ihren großen Stimmen adelten sie beim zweiten Konzert der “Stimmwelten” am Sonnabend in der Laeiszhalle selbst den Biedermeier. Die spanischen Singspiele von Robert Schumann nämlich sind so etwas wie der Soundtrack zur “Gartenlaube”: eingängige Hausmusik zu Herzschmerztexten; die Welt durch die Butzenscheibe gesehen.
Beunruhigend intensive Momente, wie das von Röschmann und Bostridge großartig gestaltete “In der Nacht”, blieben die Ausnahme. Dafür wurde es umso reizvoller, je mehr die vier Könner ins Spielen kamen und mit neckischen Blicken und kleinen Gesten das alte Flirtgeplänkel auch theatralisch zu neuem Leben erweckten.
Mehr musikalische Substanz bot Schumanns dritter Zyklus “Minnespiel” nach Gedichten von Friedrich Rückert. Zum einen weil den Sängern mit Julius Drake nun ein gleichwertiger Partner am Klavier zur Seite stand. Zum anderen weil Schumann hier dem Ideal einer Kammermusik für Stimmen deutlich näherkommt. In den beiden Quartetten ergänzte sich der Klang der vier Stimmen wie die Farben in einem perfekt komponierten Gemälde.(ist)
Vorgeschmack auf große Oper in der Elbphilharmonie
Lust und Plage, Glück und Klage liegen in Robert Schumanns Liedeskunst noch näher beieinander als im wahren Leben.Innigkeit und Zickigkeit, sehnsüchtiges Schmachten und entzückende Erfüllung lässt er in dynamischem Kontrast in der Gattung des Liederspiels so aufeinander folgen, als wolle er das Kraftwerk der Gefühle aus der großen Oper ins biedermeierliche Wohnzimmer verlegen.Das gelingt Schumann ganz ohne Verluste an Wirkungsmacht, dafür mit der einfühlsamen Geste des Genies, mit zartem Humor und mitreißenden Melodien.Schade nur, dass man die Preziosen seines Spanischen Liederbuchs, des Minnespiels und der Spanischen Liebeslieder so selten zu hören bekommt. Umso glücklicher konnte sich schätzen, wer am Sonnabend eine der ersten Sternstunden der Elbphilharmonie-Konzerte miterleben durften, die ja bis zur Eröffnung des neuen Konzerthauses die Lust auf immer mehr gute Musik schüren sollen.Und tatsächlich: Nachdem Gustavo Dudamel zu Saisonbeginn maximale orchestrale Leidenschaft demonstrierte, folgte jetzt ein Konzert, das vokaler Vorschein künftiger Elbphilharmonie-Wonnen war.Zu danken war das Ereignis einem Quartett von Sangeskünstlern, die in einer so idealen Art und Weise harmonieren, dass wir sie himmlisch nennen möchten.
Lust und Plage, Glück und Klage liegen in Robert Schumanns Liedeskunst noch näher beieinander als im wahren Leben. Innigkeit und Zickigkeit, sehnsüchtiges Schmachten und entzückende Erfüllung lässt er in dynamischem Kontrast in der Gattung des Liederspiels so aufeinander folgen, als wolle er das Kraftwerk der Gefühle aus der großen Oper ins biedermeierliche Wohnzimmer verlegen.
Das gelingt Schumann ganz ohne Verluste an Wirkungsmacht, dafür mit der einfühlsamen Geste des Genies, mit zartem Humor und mitreißenden Melodien. Schade nur, dass man die Preziosen seines Spanischen Liederbuchs, des Minnespiels und der Spanischen Liebeslieder so selten zu hören bekommt. Umso glücklicher konnte sich schätzen, wer am Sonnabend eine der ersten Sternstunden der Elbphilharmonie-Konzerte miterleben durften, die ja bis zur Eröffnung des neuen Konzerthauses die Lust auf immer mehr gute Musik schüren sollen.
Und tatsächlich: Nachdem Gustavo Dudamel zu Saisonbeginn maximale orchestrale Leidenschaft demonstrierte, folgte jetzt ein Konzert, das vokaler Vorschein künftiger Elbphilharmonie-Wonnen war.
Zu danken war das Ereignis einem Quartett von Sangeskünstlern, die in einer so idealen Art und Weise harmonieren, dass wir sie himmlisch nennen möchten. Es traten zwar vier Sängerstars auf die Bühne der Musikhalle, doch schienen Dorothea Röschmann, Angelika Kirchschlager, Ian Bostridge und Thomas Quasthoff sich hier zu versammeln, um einfach mal als Freunde gemeinsam Musik zu machen und Spaß zu haben.
Da legen Röschmann und Kirchschlager ein Schmunzeln in ihre Stimmen, als sie die rosenduftende “Erste Begegnung” zum Besten geben. Da umschlingen sich im Duett “In der Nacht” die Stimmen von Sopran und Tenor so innig, als wären die beiden heimlich ein Paar. Da muss Thomas Quasthoff mit seinem wohlig warmen Bass-Bariton im Lied “Flutenreicher Ebro” nicht protzen, sondern kann seine Prachtstimme einfach mal strömen lassen. Denn diese vier Ausnahmekünstler stellen sich, kongenial von Helmut Deutsch und Julius Drake am Flügel begleitet, in Freundschaft verbunden gemeinsam in den Dienst Schumanns. Schöner geht’s kaum.