Pauluskirche, Ulm

2 November 2008

Diana Damrau (mezzo)
Julius Drake (piano)

Alban Berg:
Seven Early Songs

Samuel Barber:
Mélodies passagères Op. 27

Iain Bell:
Daughters of Britannia

Richard Strauss:
Drei Lieder der Ophelia Op. 67
Malven
Einerlei Op. 69 No. 3
Ständchen Op. 17 No. 2
Freundliche Vision Op. 48 No. 1
Wiegenlied Op. 41 No. 1
Muttertändelei Op. 43 No. 2
Amor Op. 68 No. 5

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review: (Translation will follow as soon as possible)

Augsburger Allgemeine

Die Faszination einer großen Stimme

 

Von Wilhelm Schmid

Ulm „Und Ihr könnt sagen, Ihr seid dabei gewesen.“ Mit diesem Goethezitat von 1792 konnten sich die Besucher des Diana-Damrau-Liederabends in der Ulmer Pauluskirche über manche Irritation hinweg trösten. Denn diese war schon beträchtlich, als sich am Eingang herausstellte, dass es der Veranstalter nicht für nötig befunden hatte, die gut 1200 Besucher mit einem Programm zu versorgen.

Nun wäre das auch nicht weiter bemerkenswert gewesen, wenn Diana Damrau ein Programm geboten hätte, das der „durchschnittliche Konzertbesucher“ kennt. Was der Star aber vorbereitet hatte, war eine äußerst exklusive Folge von Liedern, von denen garantiert mehr als 90 Prozent des Auditoriums noch nie etwas gehört hatte. So blieb bis zur Pause nur blankes Staunen über das stimmliche und interpretatorische Vermögen Diana Damraus, die zwischen einem Engagement an der New Yorker Met und einem weiteren in London einen kurzen Zwischenstopp nahe ihrer Günzburger Heimat eingelegt hatte. Offensichtlich war ihr daran gelegen, dem Publikum zu vermitteln, wie hoch sie neben ihrer weltberühmten Arienkunst das Lied schätzt.

Sie hatte die Vortragsfolge mit Alban Bergs „Sieben frühen Liedern“ eingeleitet, die der Wiener vor 80 Jahren nach Texten von Rilke, Lenau, Storm und anderen komponiert hatte. Schon bei dieser extrem schwierigen Komposition wurde deutlich, über welch große Variationsbreite Diana Damrau verfügt. Julius Drake tat das Seine am Flügel, um sämtliche dynamischen Feinheiten vom zartesten Piano bis zum strahlenden Forte in dem großen Hallenraum zur Geltung kommen zu lassen, sodass die Textverständlichkeit nur gelegentlich den äußeren Gegebenheiten zum Opfer fiel.

Die „Mélodies passagères“ von Samuel Barber schlossen sich an. Deren Rilke-Texte wurden in französischer Sprache vorgetragen, womit deren Verständlichkeit für den Großteil des Publikums leider endgültig dahin war. Die kurze Unterbrechung danach nutzten die ersten Gäste, um die Pauluskirche enttäuscht zu verlassen – sie hatten ja auch keine Ahnung, was sie weiter erwarten sollte – und auch nach dem nächsten Programmblock lichteten sich die Reihen weiter.

Grandiose Stimme und äußere Unzulänglichkeiten

Dieser Programmteil war die englische Liedfolge „Daughters of Britannia“, von der leider auch nichts weiter zu erfahren blieb, als dass es sich um eine Komposition des Zeitgenossen Ian Bell handelte, der diese über englische Sagenfiguren eigens für Diana Damrau komponiert hatte. So erklangen die Schilderungen von „Boudica“, „Maid Marian“ (Robin Hoods Geliebte), „Morgause“, „Guinevere“ (beide aus der Artus-Sage) und „Lady Godiva“ in all ihrer Vielfarbigkeit.

All die äußeren Unzulänglichkeiten konnten jedoch der Faszination über Diana Damraus grandiose Stimme und deren Vielseitigkeit nichts anhaben. Sie brachte es tatsächlich fertig, den Riesenraum bis in den obersten Winkel der Empore sowohl mit ihrem Sopran als auch mit ihrer daraus resultierenden Ausstrahlungskraft zu erfüllen.

Nach der Pause schloss sich eine Reihe von Richard-Strauss-Liedern an. Die „Drei Lieder der Ophelia“ eröffneten die Folge und ließen wieder gänzlich neue, unerwartete Charakterzüge zum Vorschein kommen. Dank der Wandlungsfähigkeit und Strahlkraft von Diana Damraus Stimme konnte man sich in die tragische Figur des Hamlet-Dramas bestens einfühlen, sodass nichts mehr „faul war im Staate Dänemark“. Eines der vom Komponisten selbst zwar nicht besonders geschätzten, aber doch am populärsten gewordenen Lieder, das „Ständchen“, bestach durch seine Innigkeit, und die „Muttertändelei“ war von herzlicher Liebenswürdigkeit geprägt. Im „Wiegenlied“ beeindruckten insbesondere die Piano-Arpeggien Julius Drakes, der sich insgesamt als kongenialer Partner erwies. So konnte nach dem abschließenden „Amor“ natürlich noch nicht Schluss sein: Obwohl große Teile des Publikums nach der zweiten Zugabe den Heimweg antraten, als die Lichter angingen, dankte Diana Damrau noch mit dem Bach-Gounod-„Ave Maria“ für den begeisterten Applaus, der die Pauluskirche erfüllte. Er wird wohl auch heute Abend in der Londoner Whigmore Hall aufbrausen, wenn Diana Damrau gemeinsam mit Julius Drake dasselbe Programm bietet.

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