Laeiszhalle, Hamburg

01 November 2006  20:00

Dorothea Röschmann ( soprano)
Ian Bostridge (tenor)
Thomas Quasthoff (baritone)
Julius Drake (piano)

Franz Schubert:

What the critics say

Helmut Peters, Die Welt, 3. November 2006

Pianist Julius Drake begleitete Dorothea Röschmann, Ian Bostridge und Thomas Quasthoff in der Laeiszhalle. Fast fühlte man sich an Franz Schuberts eigenen Freundeskreis erinnert.

Da sind in der Laeiszhalle am Mittwoch einmal rechte Freunde zusammengekommen: die Sopranistin Dorothea Röschmann, der Tenor Ian Bostridge und Bariton Thomas Quasthoff. Fast fühlte man sich an Franz Schuberts eigenen Freundeskreis erinnert, für den er schrieb, mit dem er sang und der so unverzichtbar sein sollte für die Psyche und Entwicklung des Einsamen. Auch von dem im Vergleich zum Sololied viel weniger bekannten Vokalensemble-Repertoire Schuberts gaben die drei Sänger klug ausgewählte Kostproben. Darunter die pathetisch beginnende und dann aus lyrischen Reflexionen patchworkartig zusammengesetzte Geburtstagskantate für den Bariton Johann Michael Vogl, der einst die “Erlkönig”-Vertonung zur Uraufführung gebracht hatte.

Das humoristische Terzett “Der Hochzeitsbraten” und das Duett “Licht und Liebe” des österreichischen Dichters Heinrich Joseph von Collin waren die leichteren Parts im von Goethe-Vertonungen beherrschten Programm. Fast stockend ließ Pianist Julius Drake das von Quasthoff weniger tröstlich als leidend gesungene “Wer nie sein Brot mit Tränen aß” beginnen. Lange hallte der Schlusston des choralartig anhebenden “Wer sich der Einsamkeit ergibt” nach.

Quasthoff und seine Kollegen waren im ersten Teil allerdings noch nicht ganz frei gesungen. Am meisten belegt wirkte Dorothea Röschmann, deren Tiefe leicht rauh klang und die es in Sachen Textdeutlichkeit nicht ganz so genau nahm. Ein Höhepunkt bei Bostridge waren die szenisch angelegten Verse des vom Dichter MacPherson ersonnenen Fantasie-Barden “Ossian”. Großartig arbeitete Drake dabei das Tonmalerische heraus, während Röschmann von der hinteren Bühne die aus Kummer dem Grab anheimgefallene Geliebte sang. Ein Genuss sind Quasthoffs deklamatorische Finessen, so die herrlich ausgesungenen Verben eines Satzes oder der düstere Ton im bedrückenden “An die Türen will ich schleichen”. Stimmungsmäßig war der Bariton an diesem Abend aber gut drauf, selbst dann noch, als während des “Mignon”-Liedes ein Handy im Publikum munter vor sich hinträllerte. Ausdrucksstark kann nicht nur seine Stimme, sondern auch sein Kopfschütteln sein.

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