Laeiszhalle, Hamburg
28 May 2006
Dorothea Röschmann (soprano)
Ian Bostridge (tenor)
Julius Drake (piano)
Robert Schumann:
Vier Duette Op. 78
Myrten
Vier Duette Op.34
What the critics say:
Zauberhafter Klang klassisch notierter Liebesbekenntnisse
Ein wunderbares und dennoch ein ungleiches Paar sang da am Sonntag von den innigen Wonnen der Liebe, denen Robert Schumann mit seinem Liederzyklus “Myrten” ein so unvergleichliches Denkmal gesetzt hat. Die Sopranistin
Dorothea Röschmann und der Tenor Ian Bostridge widmeten sich in der Musikhalle gemeinsam mit dem Pianisten Julius Drake einer der intimsten Ausdrucksformen der Kunst: Stimme und Klavier. Purer, konzentrierter, genauer als in diesen Miniaturen, dieser Welt im kleinen, dieser Essenz des Daseins geht’s nicht.
Dazu braucht es Zeit zum Einschwingen, zum Sich-Einlassen. Die vier Duette aus Schumanns op. 78 dienten diesem obligaten Einsing-Vorspiel, in dem sich die jugendlich-dramatisch aufbrausende Röschmann mit ihrem obertonig fülligen und glanzvoll gerundeten Sopran und der Tenor des ätherisch körperlos schwebenden, zartbesaitet samtig trällernden Ian Bostridge noch so gar nicht himmlisch entrückt mischen wollten.
Zunehmend stimmiger gestalteten die beiden die im Wechsel gesungenen 26 Lieder der “Myrten”, jenes überströmende Liebesbekenntnis Schumanns zu seiner Clara: “Du meine Seele, du mein Herz”. Die zauberhaft erfühlte Verzückung der Worte Heinrich Heines “Du bist wie eine Blume, so hold und schön und rein” vergegenwärtigte Bostridge gerade so beseelt, daß Schumanns tönender Dreiklang aus Naturbildern, Gottvertrauen und Liebessehnen ganz zeitgemäß berührend, ganz glückhaft traumverloren, ganz warmherzig und wahrhaftig in die lauschenden Herzen der Hörer drang.
Die Zwischentöne des Ian Bostridge, die gerade der Klangwelt unterhalb des Piano schier ungeahnte Facetten und göttliche Weiten schenken, sind ein Ereignis, daß die Musikhalle so mucksmäuschenstill werden läßt wie nie. Dorothea Röschmann bleibt da eine ganze Spur extrovertierter, geerdeter und opernhafter, sie mischt ihrem Schumann gar schon den strahlenden Furor einer werdenden Königin Isolde bei.